Donnerstag, 30. Juni 2022

In eigener Sache

Und so geht sie dahin, die Zeit. Ursprünglich wollte ich das Tempo auf dem Nähkästchen etwas drosseln, um den Fokus auf neue Ideen und das überarbeiten älterer Artikel zu legen. Stattdessen gab es einen kompletten Stillstand.
Ich habe deshalb beschlossen, dass Projekt bloggen erstmal auf Eis zu legen, bis August mindestens. Bis dahin stehen noch einige heiße Tage ins Haus, die dem kreativen Arbeiten einfach nicht gut tun. Ein Urlaub ist auch noch geplant, Festival wie früher.
Vielleicht reicht es ja, um ein Konzept zu entwickeln ob und wie es hier weiter geht 

Donnerstag, 19. Mai 2022

Bücherkiste

 

Tonke Dragt

Turmhoch und Meilenweit


Ich habe schon immer viel gelesen. Mein Bücherregal war schon im Kinderzimmer immer voll gestopft. Von Zeit zu Zeit flog zwar mal was raus, aber im großen und ganzen kam mehr dazu. Es war ein Experiment, ob Räume nicht doch von innen größer sind, als sie von außen scheinen.

Beim ersten Umzug waren dann auch folgerichtig viele Bücherkisten dabei. Zwei Dinge habe ich damals gelernt: nicht jedes Buch ist es wert, immer wieder mitgeschleppt zu werden. Reine Bücherkisten packen nur Idioten.

Bei jedem Umzug wurde die Zahl an Jugendbüchern immer geringer. Und auch jedem Ausmisten viel der ein oder andere Kindheitsbegleiter zum Opfer. Jedes mal stand die Frage im Raum: ist das ein wirklich gutes Buch oder habe ich es aus reiner Nostalgie aufgehoben? Das Zweite war häufiger der Fall. Inzwischen befinden sich nur noch drei Bücher aus dem Raum und Zeit faltenden Regal meines Kinderzimmers in meinem Besitz: Märchenmond, Hobbit und Herr der Ringe – ja, das gilt als eins – und eben Turmhoch und Meilenweit.

Dabei erinnere ich mich, dass es mir als Jugendlicher nur so halb gefiel. Und ich es schon mehrmals weggeben wollte, aber immer in letzter Sekunde es doch noch behalten habe. Zum Glück, inzwischen gehört es nämlich zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

Als Kind hatte Edu einen Roboter auf einem Flohmarkt gekauft. Wirklich funktioniert hat er nicht mehr, aber er konnte ein Gedicht über Wälder aufsagen. Wälder, die es auf der Erde schon lange nicht mehr gibt. Jahre später wird Edu Planetenforscher und lässt sich auf die Venus versetzen. Zum zweiten mal. Freiwillig. Dadurch gilt er bei seinen Kollegen schon als Sonderling, ihrer Meinung nach lassen sich nur besonders beförderungswillige Menschen zweimal auf diesen Höllenplaneten versetzen. Oder Wahnsinnige. Die Sicherheit der Kuppel verlassen sie so gut wie nie. Die Erforschung des Planeten erfolgt über Raumgleiter aus sicherer Höhe. Das ist Edu nicht genug. Auf einem Erkundungsflug entschließt er sich, zu Fuß die Fremde Landschaft zu erkunden. Der Planet fasziniert ihn. Und dort gibt es Wälder...

Die Geschichte von Edu lässt sich wunderbar als klassischer Planetenroman lesen. Ein Abenteuer auf einer fremden Welt. Ruhig geschrieben, ohne große Aufregung und gemächlich im Tempo. Aber dennoch fesselnd und spannend. Zum anderen steckt auch eine Geschichte über das Anderssein und die Angst der Gesellschaft vor Veränderung in dem Buch. Klassischer Jugendliteratur Stoff eben.Wer Science Fiction mag, die etwas tiefgründiger als Captain Future ist und dennoch primär unterhalten will, sollte mal einen Blick riskieren.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Mein CD Regal

 

God Dethroned

Passiondale

 


 


Ihr wisst ja, ich schreibe nicht immer über die CDs, die ich hier vorstelle. Oftmals ist ja auch schon von vielen verschiedenen Seiten alles Relevante zu der Band oder dem Album gesagt worden, sodass eine weitere Track by Track Review den Mehrwert eines Spar- Menüs bei der Burgerkette eures Vertrauens hat. Deshalb halte ich diesen Teil heute mal kurz: God Dethroned. Death Metal. Geil. Nicht die Neuerfindung des Rads, aber super präzise und extremst wirkungsvoll. An dieser Stelle komme ich dann meist zu den subjektiven Seiten der CD. Wie ich auf sie aufmerksam wurde. Ob ich ein besonderes Live Erlebnis damit verbinde. Oder warum mir ein Album, das einfach mies ist von allen objektiven Standpunkten aus betrachtet, soviel Freude macht.

Lasse ich heute auch mal weg, sondern nutze die Zeilen, um ein paar meiner Gedanken zum zentralen Thema der Platte auf das virtuelle Papier zu bringen: Krieg.

Der erste Weltkrieg, die Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts. Nicht der erste und bei weitem nicht der letzte Konflikt der Menschheit. Aber einer der prägendsten: Grabenkämpfe, Giftgasangriffe, die ersten Panzer. Die Technik, die den Menschen in eine Ära der Vernunft leiten sollte, erweist sich als Büchse der Pandora.

Zugegeben, God Dethroned sind bei weitem nicht die erste Metal Band, die das Thema aufgreift. Aber sie machen es verdammt gut. Es gibt kein Sieg, kein Ruhm, nur den Tod. Mit diesen Textzeilen macht der Opener schon ganz am Anfang die Sinnlosigkeit des Krieges deutlich. Und so geht es weiter – Schlamm, Matsch, Angst. Urin, Seuchen, Giftgas. Textlich und musikalisch einfach dargestellt und genau dadurch sehr beklemmend. Heldengeschichten aus alten Kriegstagen? Hier Fehlanzeige.

Was mir besonders gut an diesem Kriegsgemälde gefällt: der Pathos fehlt.

Und da kommen wir zu einer anderen Band, die deutlich mehr Erfolg hat und thematisch ein ähnliches Feld schon einige Jahre lang emsig beackert: Sabaton. Ja, auch ich habe ein Album im Regal stehen. Ja, das gefällt mir recht gut. Ja, sie bringen sowohl einige geschichtliche Randthemen als auch Metal Musik an eine breitere Masse. Dennoch stoßen mir die Schweden sauer auf. Und das liegt hauptsächlich an ihrem Pathos. Natürlich, der gehört zum Powermetal dazu. Ein Song ohne Glory, Hero und Valor wäre kein Powermetal Song. Solange es dabei um Drachen töten und Jungfrauen retten geht, ist das auch passend. Immerhin ist jeder von uns noch ganz tief unten ein jugendlicher, der sich nach Aufregung und Abenteuer sehnt. Im Fantasy Kontext ist das absolut legitimer Escapismus. Im Kriegskontext? Uh, da finde ich es echt schwierig. Katastrophen und Leid werden da zu epischen Heldentaten stilisiert. „Hurra, es ist Krieg.“ Gerade zum jetzigen Zeitpunkt für mich echt schwierig. „Aber das ist doch wichtig, bei Sabaton lernt man Geschichte!“ - achja? Lest lieber vernünftige Geschichtsbücher.

Donnerstag, 31. März 2022

In eigener Sache

Der ein oder andere hat es gemerkt : hier war es etwas ruhiger in den letzten Wochen. Grund dafür war zu einem, dass irgendwie viel los war in letzter Zeit und ich nur wenig Ruhe zum schreiben gefunden habe. Da hab ich mich auf andere Projekte konzentriert.
Fakt ist : der wöchentliche Rhythmus ist passe. Ich werde neben neuen Artikeln auch alte neu posten und ggf überarbeiten. Auf Instagram bin ich weiterhin rege aktiv.
Und ich schaue mich nach anderen Plattformen um. Wer weiß, vielleicht steht ein Umzug ins Haus 

Donnerstag, 17. März 2022

In eigener Sache

 Alles wiederholt sich

 



Ja, ich weiß, über dieses Buch habe ich vor ein paar Jahren schon geschrieben. Das es mich immer noch beziehungsweise wieder beschäftigt, zeigt mir persönlich zwei Dinge. Erstens: manche Dinge ändern sich einfach nie oder nur langsam. Und immer, wenn man denkt, man ist sie los, schleichen sie sich durch eine Hintertür zurück. Zweitens: man kann gar nicht laut genug dagegen ankämpfen. Deshalb verliert "Jugend ohne Gott" nichts an seiner Aktualität. 

Man kann über Schullektüre streiten soviel man will. Ob man wirklich sämtliche Romantiker von Eichendorf bis Goethe braucht. Ob Kafka ohne Drogenkonsum überhaupt irgendwie sinnführend ist. Und ob von König Ödipus nicht einfach eine Zusammenfassung reicht. Auf den ein oder anderen "unverzichtbaren" Klassiker hätte ich verzichten können. Nicht so auf "Jugend ohne Gott". Auch wenn es im Schreibstil recht stil und ruhig daher kommt. Oder vielleicht deswegen: der schleichende Prozess, wie das rechte Gedankengut in die Gesellschaft sickert, wird eindringlich beschrieben und lässt einen - im besten Sinne - mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurück.

Definitiv lesenswert.

Donnerstag, 10. März 2022

Mein CD Regal

 

Asphyx

Deathhmmer

 



Ich, Anfang 20. Ein Tresen, ein Bier. Neben dran: ein langhaariger, älterer Kerl, irgendwas zwischen 25 und 50. Für mich war damals jeder ein alter Mann, der so zwei Jahre Vorsprung zu mir hatte. Aus den Boxen wummert gemütliche, menschenverachtende Untergrundmusik. Man quatscht über belangloses Zeug, Gott, Satan und die Welt. Und, Überraschung, Musik. Wie das so ist, wenn man gerade dabei ist, neue Musik zu entdecken, hab ich damals fast ausschließlich neue Alben neuer Bands auf großen Labels gehört. Für den Silberrücken neben mir war ich damit schon untendurch. Zu wenig Underground. Zu viel Kommerz. Und überhaupt, Junge, wieso hörst du eigentlich keine Klassiker? Hat die Jugend von heute den keine Ahnung mehr? Ja, der Sound ist scheiße und klingt wie durch einen Blecheimer aufgenommen. Aber das muss so! Früher oder später geht dann das übliche kennst du die, kennst du jene Spiel los, wo Anfangs die großen Alten abgefragt werden und später die Underground Helden, die irgendwann tief in den 80igern das perfekte Metal Album mit einem 4 Spur Bandgerät und Gitarren Saiten aus dem Haar einer Albino Leiche eingeknüppelt haben. Nur auf Tape erhältlich, nur 666 Original Kopien. Ja, die Tracklist ist mit Jungfrauen Blut geschrieben! Möglich dass ich bei den letzten Sätzen etwas übertrieben habe, aber die meisten von euch dürften so etwas schon mal erlebt haben. Es scheint wie eine Art Quiz zu sein, das Schnuppern am Popo quasi, um herauszufinden ob der gegenüber true genug und seines Bieres würdig ist.

Was das mit Asphyx zu tun hat? Ganz konkret: nicht viel. Aber sie gehören definitiv zu den Bands, die immer genannt werden, wenn es um das leidige „Musst du kennen“ Thema geht. Und wie es bei diesen Bands oft der Fall ist, war ich davon lange Zeit so dermaßen genervt, dass ich sie gekonnt weg ignoriert habe. Zu Unrecht, mea Culpa. Irgendwann auf einem Festival hab ich sie mir mal angeschaut, um mal zu hören, was die Silberrücken da immer so schwärmen. Ist die Nostalgie und die Erinnerung an die geile Zeit, die man mit der Musik verbracht hat, ein Realitätsfilter oder sind die wirklich so gut wie alle sagen? Nach dem Auftritt wusste ich für mich persönlich: Zweiteres. Old Schooliger Death mit einer gehörig walzenden Schlagseite ist eh mein Ding, und Asphyx bedienen das nahezu perfekt. Druckvoll, räudig, wütend. Egal welches Album man hört, alle unverkennbar Asphyx, alle Geil. Hast du eins, hast du alle. Aber im absolut positiven Sinn. Trotz der geringen Weiterentwicklung wird es mir bisher einfach nie langweilig. Ein „bestes“ Album auszuwählen ist schwer, da vom handwerklichen alle ganz nah beisammen sind. Deshalb entscheide ich mich für „Deathhammer“. Ganz einfach, weil es das Erste Album von Asphyx ist, dass ich mir gekauft habe. Da ist der Wow Effekt einfach noch größer als beim Rest. Aber im Grunde ist es wirklich egal welches Album man im Regal stehen hat. Mindestens eins ist ein muss für jede Sammlung. Sonst ist man nah dran an „untrue“. Das sagt euch einer, der inzwischen auch zu den Silberrücken gehört.


Donnerstag, 3. März 2022

Mein CD Regal

 

Sorcerer

In the Shadow of the Inverted Cross

 



Uff, ganz schön altbacken. Das war mein Gedanke nach dem ersten Durchlauf von „In the Shadow of the Inverted Cross.“ Schleppend. Trocken. Ein bisschen verspielt. Klassischer Heavy Metal mit einer stark doomigen Schlagseite. Irgendwo zwischen Black Sabbath, Manowar und Candlemass. Ein schlichtes Cover, dass sich herrlich von den übertrieben bunten Computer Graphik Monstern anderer aktuellen Kapellen abgrenzt. Voll am Puls der Zeit also. Zumindest wäre es das gewesen, wenn die Scheibe irgendwann in den 80igern erschienen wäre. Die aktuelle Produktion und das Veröffentlichungsdatum 2015 sind der einzige Hinweis, dass es sich um aktuelle Musik handelt. Dabei gelingt der Band das Kunststück, zwar etwas altmodisch und angestaubt, aber gleichzeitig auch frisch und neu zu klingen. Dabei klingen sie nicht übertrieben kitschig und übertrieben 80iger wie einige der Bands, die gerade diesen Stil komplett ausleben. Dabei aber knapp knapp in der von ihnen so verehrten Ära gezeugt wurden. Falls überhaupt. Und sie klingen auch lange nicht so – positiv formuliert – routiniert wie viele der Uhrgesteine, die nach 40, 50 Jahren Bandgeschichte einfach vergessen haben, wie man aufhört. Nein, die Scheibe klingt wie von einer Band, die frisch und unverbraucht aus den 80igern kommt und per Zeitmaschine ihr Release in die Gegenwart geschickt haben.

Schaut man sich die Bandgeschichte an, ist es gewissermaßen auch so. Gegründet 1988, brachten die Schweden bereits 1989ihr erstes Demo unter die Leute. 1992 dann die zweite, aber anstatt Groß durch zustarten, entschloss man sich, das Projekt unter anderem aus Zeitgründen zu beenden. 2010 wurde das Gründungsmitglied Johnny Hagel für das Hammer of Doom Festival gebucht. Dieser sagt zu und stellte kurzerhand ein Line Up zusammen. Die Harmonie stimmte wohl, und so fing man an, ein Album einzuklöppeln. 2015 war es dann soweit: die junge, hoffnungsvolle Metal\Doom Formation Sorcerer veröffentlichten ihr Debut Album.

Das erklärt für mich, warum es so herrlich anachronistisch klingt. Und ganz ehrlich: ich mag das Teil. Gut möglich, dass sich die lange Wartezeit gelohnt hat. In den späten 80igern , frühe 90ger wäre „In the Shadow of the Inverted Cross“ wohl gar nicht aufgefallen. Ein Metal Album von vielen. Aber jetzt, gute 30 Jahre später, lässt es aufhorchen. Klar, originell geht anders. Die vorher genannten Vergleichsbands liefern schon Jahrzehnte Lang ähnliche Kost. Modern war die Spielart wohl auch damals schon nicht mehr. Ja, die Texte sind arg austauschbar. Das ist aber alles relativ egal, weil das Album einfach Laune macht. Für mich eines der besten Debuts der letzten Jahre in diesem Bereich .